Jethro Tull & Kritiker
Ian Anderson und seine Band Jethro Tull zählen zu den Alteingesessenen im Musikgeschäft, schließlich musizieren der Bandleader und seine bis auf Gitarrist Martin Barre wechselnden Bandmitglieder bereits seit 1967 erfolgreich eine Mischung aus Rock and Roll, britischer Folklore und Klassik.
Anderson benannte seine Band nach einem Landwirt aus dem 18. Jahrhundert und gilt unter Musikkennern und Fans als eine der wohl skurrilsten Persönlichkeiten der musikalischen Geschichte der Gegenwart. Der Musiker mit der markanten Stimme prägte vor Allem durch den Einsatz der Querflöte als zentrales Instrument, welches bei Jethro Tull den Platz einer E-Gitarre einnimmt den Sound seiner Band ganz individuell, wodurch sich schnell eine eingeschworene Fangemeinde um Jethro Tull bildete, die der Band zum großen Teil bereits seit Jahrzehnten die Treue hält.
Die Kritiker hingegen waren sich in ihrer Einschätzung über die Vertreter des Artrock nie einig und bemängelten häufig eine ihrer Meinung nach fehlende musikalische Entwicklung. Seit dem Konzeptalbum „Aqualung“ aus dem Jahre 1971 habe sich – so zumindest die Einschätzung zahlreicher Musikkritiker – die Musik von Jethro Tull nicht weiterentwickelt, was aber wiederum gerade bei den Fans gut ankommt. Muss Anderson sich, der seinen ganz eigenen Musikstil gefunden und geprägt hat, aber zwingend weiterentwickeln und neue musikalische Wege gehen? Kritiker machen es sich hier ein wenig zu einfach oder ersetzen einfach mangelnde Argumente durch die musikalische Weiterentwicklung, die bei jedem Künstler gern angeführt und kritisch beäugt wird. Anderson ließ sich von den Musikjournalisten jedoch nie beirren und schließlich sprechen Millionen verkaufter Platten und tausende von absolvierten Konzerten – mehr als 2500 Jethro Tull Tickets gingen bisher über den Ladentisch – ihre eigene Sprache.
Steffen Ehrlich
steffen[at]torstenmaue.net