Eine Freundschaft mit Hindernissen

Deutsche, Polen und „Barbaren“

Das politische Parkett zwischen Deutschen und Polen ist schon immer ein Recht Glattes gewesen, doch gehen die beiden Völker in letzter Zeit immer stärker aufeinander zu.

Es ist die leicht „barbarisch“ angehauchte Art der Polen, auf andere energisch zuzugehen oder wenigstens ihre Art von Feiern durchzusetzen durch ihre natürliche Freimütigkeit und Einfachheit, die einen Deutschen immer wieder faszinieren. Und auf der anderen Seite ist die vielleicht auch berechtigte Scheu der Deutschen vor so viel Offenherzigkeit und Zugänglichkeit etwas, was man besser nachvollziehen kann, wenn man damit aufgewachsen ist.

Man empfindet die polnische Kultur oder die Einheimischen weder als unzivilisiert noch „tierisch“, kann aber nachvollziehen, warum ihre oft „unkomplizierte“ Art auf die Deutschen sehr fremd oder gar primitiv wirken kann.

Nachvollziehen ist natürlich nicht gleichbedeutend mit verstehen, denn in der Improvisationskunst der slawischen Völker liegt eine noch unentdeckte Fülle an Potential. Potential zur Belebung der Straßen. Vielleicht müsste diese Improvisation mit der Ordnungsliebe der Deutschen einen Kompromiss finden, vielleicht sollte man sich ganz darauf einlassen, aber egal wie, man kann nicht mehr behaupten, dass nur der Westen den lang erhofften „Metropolen-Ruf“ für Berlin einher bringt. Dies mag die Stadt Berlin anders sehen, wenn man sich ihre Geschichte anschaut, in der sie mit der Mauer und Regierung eine dauerhafte provisorische Grenze ertragen musste. Aber sie sollte sich eingestehen, dass sich die so genannte „provisorische Ökonomie“ längst ausgebreitet hat in Form von kleinen Märkten und Straßenverkäufern, die manch ein berlinerisches Straßenbild wie selbstverständlich prägen. Diese Art der Überlebenstechnik der slawischen Einwanderer oder Saisonarbeiter ist uns mittlerweile fremd im Land der grenzenlosen Güter, mit denen wir noch nicht mal gelernt haben umzugehen.

Autor: Torsten Maue - torsten.maue@gmail.com

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